Wort des Bischofs

Bischof Fürst

Der Dialog- und Erneuerungsprozess hat unsere Diözese in Bewegung gesetzt. Die „Zeit zu hören“ hat zu vielen Begegnungen und Gesprächen geführt. Ich freue mich über all die Gelegenheiten, bei denen ich in den Kirchengemeinden, Seelsorgeeinheiten und Dekanaten, mit den Christen unserer Diözese zusammenkommen konnte. Verbände, Berufsgruppen und Initiativen haben mich zum Gespräch eingeladen oder sind zu mir ins Bischofshaus gekommen. Viele Einzelne, Gruppen und Gemeinschaften haben mir geschrieben. Dabei habe ich viel Freude, aber auch Enttäuschung und Ungeduld sowie große Sorge um die Bedeutung und die Rolle von Glauben und Kirche in der Gesellschaft erlebt.

Ich danke auch allen, die aus dem Diözesanrat, aus dem Priesterrat und von der Diözesankurie Gespräche geführt haben und zu Begegnungen im Dialogprozess bereit waren und sind.

Die Missbrauchsfälle, die im Jahr 2010 bekannt wurden, haben Vertrauen- auch im Innersten unserer Gemeinden - erschüttert. Der Glaubwürdigkeitsverlust, den die Kirche zweifellos erfahren hat, geht vielen sehr nahe. Die Wortmeldungen im Dialogprozess zeigen, dass die Kirche in den Augen vieler nicht gut dasteht.

In den Dialogen ging und geht es um lange bekannte Themen wie beispielsweise die Situation und die Stellung der wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche, die konfessionsverbindenden Ehen oder die Stellung der Frauen. Immer drängender wird aber auch die Frage, wie es mit der Seelsorge angesichts der geänderten Bedingungen in Kirche und Gesellschaft weitergeht.

Mich haben diese Gespräche sehr berührt. Die Kirche geht durch eine schwierige Phase. In der kommenden Zeit werden wir die angesprochenen Problemfelder weiter bearbeiten, in Regionalforen beraten und auch entscheiden müssen, welche Bereiche wir in der Diözese weiterverfolgen und neu gestalten können.

ehr intensiv arbeiten wir an der Entwicklung neuer Ideen und Konzepte, damit eine „Seelsorge nahe bei den Menschen“ auch zukünftig gewährleistet werden kann. Vorschläge dazu werden sukzessive entwickelt und im Laufe des kommenden Jahres vorgestellt. Ich freue mich, dass einige der Probleme, die auf der diözesanen Ebene allein nicht gelöst werden können, wie zum Beispiel die Situation der „wiederverheirateten Geschiedenen“, nun in der Bischofskonferenz aufgenommen werden. Seit Langem habe ich mich dafür eingesetzt.

Die Gespräche im Dialogprozess haben mir, in Zustimmung, aber auch Kritik, das große Engagement und den tiefen Wunsch gezeigt, in der Kirche auch weiterhin einen menschenfreundlichen Ort des Glaubens zu haben. Ich bin gewiss, dass wir im Vertrauen auf den Heiligen Geist, der uns führt, gemeinsam den Weg des Glaubens in unserer Diözese gut weitergehen werden.

Keine Fragen wurden in den Gesprächen von vornherein ausgeschlossen. Auch wenn jeder weiß, dass es vom kirchlichen Lehramt geklärte Positionen gibt, die nicht einfach zur Disposition gestellt werden können. Wir sind ja hineingestellt in den großen Zusammenhang der lebendigen Überlieferung des Glaubens in der weltweiten katholischen Kirche. Wo auf Ebene der Ortskirche Erneuerung stattfinden kann, werden wir dies beherzt angehen. Was nicht auf der Ebene der Ortskirche möglich ist, hat seinen Platz in den Beratungen und Entscheidungen der Deutschen Bischofskonferenz.

Zum Dialog- und Erneuerungsprozess gehören auch Themen und Handlungsfelder, die hier nicht oder nur kurz angesprochen werden. Auf das Jugendforum3 möchte ich hinweisen. Jugendliche haben auf diesem Forum dringende Erwartungen an Erneuerung an mich und die Diözesanleitung weitergegeben. In den Zusammenhang des Dialogprozesses habe ich auch das Handlungsfeld Glaubensvertiefung und Erneuerung des Erbes des Konzils gestellt und die Berufung zu einem glaubwürdigen christlichen Lebensstil für jeden Einzelnen und für unser kirchliches Zusammenleben aufgenommen. Den gesamten Dialog- und Erneuerungsprozess haben wir und wollen wir weiterhin als einen geistlichen Weg gehen. Auf das hierzu erstellte Heft „Erneuert euren Geist und Sinn“ möchte ich eigens hinweisen.

Das hier vorgelegte KS-Spezial zeigt, was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dialog- und Erneuerungsprozess bewegt, was sie vorgeschlagen haben und erwarten. Das KS-Spezial informiert zugleich darüber, was davon bereits aufgegriffen wurde, wie dies weiterbehandelt wird und wie wir in unserer Diözese den Weg des Dialogs und der Erneuerung der Kirche weitergeh

Der Schöpfer-Geist ist es, der in uns schafft und lebt und all unser Handeln durchwirkt. Dabei wollen wir uns als Glieder am Leib Christi, als getaufte und gefirmte Mitglieder in einen weltweiten Volk Gottes verstehen, von dem es in einem Gebet der Kirche heißt: „Einst hast du Israel, dein Volk, mit starker Hand durch die weglose Wüste geleitet. Heute führst du deine pilgernde Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes“.

Ihr Bischof Dr. Gebhard Fürst